Wie wirkt eigentlich Yoga?


»Yoga will not change life, it transforms the person who lives it.«


Ich habe mich neulich mit einem alten Freund über den 'Yoga Effekt' unterhalten. Seine lange Antwort in kurz war dieses Zitat von B.K.S. Iyengar. Große Worte! Nur: Was bedeuten sie genau? Wie wirkt eigentlich Yoga, warum fühlt man sich nach einer Yogastunde oft so anders als vorher?


Transformation #1: Über den Körper zum Körper


Was Yoga von vielen anderen Bewegungsformen unterscheidet, ist, dass dabei der ganze Körper auf einmal angesprochen wird. Jede Haltung ist ein verfeinertes System, um über den Körper mit dem Körper zu arbeiten mit einem ganz besonderen Effekt: Man spürt sich vollkommen.


Dabei werden Muskeln zugleich gekräftigt und gedehnt und das Nervensystem vitalisiert und beruhigt. Durch gezielte Druckpunkte in den Asanas wird nicht nur der Lymph- und Blutfluss angesprochen, sondern auch die inneren Organe. Eine lange Liste an Benefits, durch die Yoga eben nicht nur gut für den Po ist, sondern auch bei Rückenbeschwerden, Stress-Symptomen, Schlafstörungen, Gewichtsthemen oder zur Entgiftung wirken kann - denn der Körper kommt in Balance und kann vieles wieder ausgleichen.


Transformation #2: Der Turbo-Bohrschlaghammer


Was hat diese körperliche Ebene mit einem guten, inneren Gefühl zu tun? Die Antwort ist einfach: Du bist ein einziger Mensch. Auch wenn wir verschiedene Elemente unseres Daseins benennen, so gibt es sie nicht getrennt, sondern nur miteinander.

Hier kommen die Körpermuster ins Spiel: In jedem Augenblick des Lebens wird auch Dein Körper mit-reagieren. Ein Klassiker ist z.B. der angespannte Kiefer oder die hochgezogenen Schultern, sobald etwas gefühlt stressig wird. Das Fiese an diesen körperlichen Mustern ist: Man merkt sie meistens erst, sobald Verspannungen - aka Schmerzen - entstehen. Und so lange die Anspannung im Körper besteht, bleibt auch der auslösende, innere Stress.

Die Yogapraxis wirkt mit jedem Strecken, Drehen, Quetschen wie ein Turbo-Bohrschlaghammer, der diese eingefahrenen Körpermuster gezielt löst. Ein Impuls, der nicht nur den Körper, sondern auch unser Inneres freier werden lässt.


Transformation #3: Über den Atem zum Sein


Eine simple Übung, um den Zusammenhang zwischen Atem und Geist zu greifen, ist genau jetzt wahrzunehmen, wie Du atmest. Ja, genau jetzt, beim Lesen. Ist Dein Atem eher flach, weniger präsent, vielleicht sogar holprig? Falls ja: Dann teilst Du das mit rund 8 Milliarden Menschen auf der Welt. Konzentration wie auch Stress führen dazu, dass der Atem sich verändert.

Hier kommt der dritte Ansatz der Transformation: Yoga nutzt diesen Effekt und dreht ihn um. Durch Atemübungen und den langen, tiefen Atem in der Yogapraxis wird dem Nervensystem signalisiert, dass es keinen Grund für Aufregung oder Anstrengung gibt.

Eine Entspannung auf tiefster Ebene setzt ein. Die Gedanken und Gefühle werden ruhiger, der Geist klarer. Eine andere Art der Wahrnehmung entsteht. Eine andere Art des Seins.


Transformation #4: Von der Matte ins Leben

Die sensationelle Nachricht dazu: Es ist Teil des Gesamtpakets, dass Du alles, was Du in der Yogapraxis als Möglichkeit erfährst, mit ins Leben nehmen kannst. Warum? Dein Körper ist derselbe. Dein Körper ist immer dabei und unterscheidet nicht zwischen Situationen, sondern nur zwischen Zuständen. Und er wird sich von selbst an die Art zu atmen, zu strecken und zu entspannen erinnern.


Hier geschieht die wohl größte Transformation: Deine Erfahrungen werden Teil von Dir, wo auch immer Du bist. Eine Entdeckungsreise mit immer neuen Facetten und einem Ziel: Es sich in sich selbst richtig gut gehen zu lassen!